Hebammen stärken!

Wie kämen unsere Kinder auf die Welt, wenn es keine Hebammen mehr gäbe? Wer könnte Familien und vor allem die Mütter bei der Geburt so professionell  unterstützen? Die Begleitung wenn ein Kind auf die Welt kommt, ist etwas ganz Besonderes und mit einer außerordentlich hoher Verantwortung verbunden. Als Vater, der den Geburten unserer Kinder beiwohnte, war ich mit dem Thema intensiv persönlich konfrontiert.

Deshalb weiß ich, welchen unverzichtbaren Beitrag die Hebammen leisten. In den zurückliegenden Jahren war ein fortschreitender Personalabbau in den Kliniken festzustellen, die Hebammen wurden mehr und mehr in die freiberufliche Tätigkeit gedrängt. Deshalb wurde dieser wunderbare Beruf leider zunehmend für junge Frauen unattraktiv und die Sorge um die Aufrechterhaltung der Zahl der Hebammen ist nach wie vor aktuell. Angesichts dieser Situation habe ich zahlreiche Gespräche mit freiberuflichen Hebammen, Fachverbänden und medizinischen Einrichtungen wie dem Klinikum Worms in meinem Wahlkreis geführt. In fachlicher Abstimmung mit dem Deutschen Hebammenverband analysierte eine Arbeitsgruppe mit Vertretern verschiedener Bundesministerien die steigende Belastung der Hebammen. Infolge der zunehmend angespannten Lage der Hebammen übte ich besonders in den Jahren 2015 und 2016 kontinuierlich parlamentarischen Druck auf die Bundesregierung aus, um die Zukunft des Hebammenberufs und damit die Sicherheit und Wahlfreiheit für werdende Mütter zu sichern.

Für die zukünftige Versorgung von Familien mit professioneller Geburtshilfe ist es dringend notwendig, den Beruf der Hebamme weiterhin attraktiv zu erhalten. Damit die Dienstleistungen der Hebammen flächendeckend angeboten werden,  ist es unerlässlich, dass diese unter höchster Verantwortung und großer Belastung arbeitenden Frauen selbst von ihrer Berufsausübung angemessen leben können.

Um die Haltung der Bundesregierung zu den Problemen der Hebammen zu erfahren, habe ich mich in vier Anfragen direkt an Minister Hermann Gröhe (CDU) gewandt. Infolgedessen wurde die Problematik offengelegt, dass bis dato keine validen Zahlen über die Entwicklung dieses Berufsstandes in Deutschland vorlagen. Bei den Antworten des Bundesgesundheitsministeriums bestätigte sich das, was ich von den zahlreichen Gesprächen mit Hebammen wusste: Der Anstieg der Beiträge für die Haftpflichtversicherungen stellt eine massive finanzielle Belastung für viele Hebammen dar. Bis Mitte 2016 war die Haftpflichtversicherung bei einem jährlichen Beitrag in Höhe von bis zu 5.000 Euro angelangt.

Um die Hebammen wenigstens ein bisschen zu entlasten, wurde das Risiko der steigenden Versicherungsprämien von der letzten Bundesregierung auf die Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung und damit auf die Allgemeinheit übertragen, was aus Solidaritätsgründen auch berechtigt ist da die Gesellschaft auf Hebammen angewiesen ist. Die Krankenkassen müssen die steigenden Prämien der Hebammen seitdem bei den Honorarverhandlungen ausgleichen. Keine Lösung wurde damals gefunden für den Fall, dass sich immer mehr Versicherer aus dem Markt der Berufshaftpflichtversicherungen zurückziehen und es möglicherweise in Zukunft gar keinen Versicherungsschutz für Hebammen mehr geben könnte.

Bei mehreren Demonstrationen wie hier auf dem Wormser Obermarkt im Juli 2014 setzte ich mich mit Nachdruck für die Sicherung der Versorgung insbesondere junger Familien in der Region mit Leistungen der Hebammenhilfe ein.

Das langfristige Ziel bleibt, dass Krankenkassen und Pflegeversicherungen den Regress im Falle von beruflich bedingten Fehlleistungen übernehmen und infolgedessen die Haftpflichtprämien für die Hebammen deutlich sinken. Es ist Hebammen einfach nicht zuzumuten, dass sie mit der Angst leben müssen, ein Leben lang Schadensersatz leisten zu müssen, obwohl sie nur ihr Bestes getan haben.

Im Verlauf meines Engagements für die Hebammen ist mir deutlich geworden, dass die Unterstützung ihrer Berufsausübung weiterhin politisch begleitet werden muss. Ein Mangel an Hebammen wäre ein Armutszeugnis, das sich Deutschland nicht erlauben kann.

Als Bundestagsabgeordneter engagiere ich mich daher weiter mit aller Kraft für die umfassende Unterstützung und Stärkung des Hebammenberufes. Die verstärkte Förderung und finanzielle Entlastung vor allem der freiberuflichen Hebammen ist eine wichtige Voraussetzung für ein kinder- und jugendfreundliches Land und damit eine Investition in unsere Zukunft.