Deutschlands Zukunft im Blick: Energie- und Rohstoffpolitik

Smartphones, Tablets, PCs, Fernseher und viele andere technische Geräte sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Was sie alle gemeinsam haben: sie brauchen Strom. Doch wie sicher ist unsere Versorgung mit Energie eigentlich?

Dass die Voraussetzungen für unseren Lebensstil von komplexen globalen Prozessen abhängen ist uns dabei meist nicht bewusst. Die Frage nach der Sicherheit unserer Energie- und Rohstoffversorgung ist für mich als Wirtschaftspolitiker daher ein wichtiger Baustein einer vorausschauenden und langfristig orientierten Politik. Als Land, das arm an natürlichen Ressourcen ist, sind wir in Deutschland auf funktionsfähige und belastbare internationale Partnerschaften angewiesen, um den Bedarf unserer Gesellschaft an nicht regenerativen Rohstoffen zu decken.

Eine wichtige Voraussetzung für politische Entscheidungen im Bereich der Energie- und Rohstoffpolitik ist ein fundiertes Verständnis dafür, welche Bedeutung globale Wertschöpfungsketten spielen und wie vernetzt und wechselseitig abhängig zahlreiche Alltagsprodukte davon mittlerweile sind. Ein Beispiel hierfür ist die Demokratische Republik Kongo als einer der weltgrößten Produzenten von Tantal, Kobalt und Wolfram – Rohstoffe, die in jedem Handy stecken. Dessen sollten wir uns auch in der Politik stärker bewusst werden und den Blick für die globalwirtschaftlichen Zusammenhänge vor dem Hintergrund unseres Zugangs zu den benötigten, seltenen Materialien erweitern. Damit einhergehend wird auch immer eine Fortentwicklung in den betroffenen Ländern stehen, denn als Abnehmer und politische Partner können wir einen stärkeren Reformdruck erzeugen, als wenn wir von außen mit dem Zeigefinder deuten. „Wandel durch Annäherung“ kann auch in der Gegenwart hier der Schlüssel zu weltweiten Verbesserungen der Menschenrechts- und Arbeitsschutzsituation werden.

Wenngleich in den letzten Jahren bahnbrechende Fortschritte im Bereich nachhaltiger Technologien wie jüngst im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft mit dem Thema der Wasserstoffproduktion und -partnerschaften erzielt wurden, bedarf es ergänzend eines realpolitischen Blickes auf die Bedeutung fossiler Energieträger und Rohstoffe wie beispielsweise seltener Erden und Edelmetalle. Die Bedeutung von Erdöl und Erdgas mindestens als Brückentechnologie für die Energiesicherheit Deutschlands wird in den nächsten Jahrzehnten nach meiner Überzeugung bestehen bleiben.

Global betrachtet allerdings werden wir bis 2050 einen enormen Mehrbedarf an Energie haben – gleichzeitig werden wir in derselben Zeit glücklicherweise einen enormen Aufwuchs an regenerativen Energieformen haben. Wir müssen uns aber bewusst sein, dass es, global betrachtet eben nur dieser entstehende Mehrbedarf sein wird, der durch die Regenerativen gedeckt werden kann. Ich kann hierzu die Seite www.smard.de/home sehr empfehlen, hier kann man Energiebedarfe und Energieflüsse sehr gut nachvollziehen und konkret abrufen. 

Als Wirtschafts- und Umweltpolitiker ist mir bewusst, dass wir nur mit einem ganzheitlichen Politikansatz die Quellen unseres Wohlstandes für die Zukunft sichern können. Im Rückblick haben wir, so denke ich, zu wenig über die Konsequenzen des Atomausstieges in Deutschland, für den auch ich jahrelang gekämpft habe, nachgedacht. Unsere Kapazitäten zur eigenen Energie- und Stromerzeugung sind infolgedessen geschrumpft. Die Fertigstellung des Pipelineprojektes Nord Stream II befürworte ich vor diesem Hintergrund im deutschen Interesse ebenso wie die Diversifizierung unserer globalen Bezugsquellen, beispielsweise für Flüssiggas.

Deutschland hat mit dem Instrument der sogenannten „Rohstoffpartnerschaften“ ein praktisches Werkzeug für die Sicherung seiner Interessen geschaffen, das wir in Zukunft intensiver nutzen sollten. Rohstoffreiche Länder, mit denen wir gute Beziehungen unterhalten, wie beispielsweise die Mongolei oder Kasachstan spielen hierbei eine zentrale Rolle.

Über die bekannten Kooperationen hinaus, bestehen auch in der Kaspischen Region und Zentralasien zahlreiche Perspektiven. Ein Ausbau der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit den Staaten dieser Region liegt also in unserem unmittelbaren Interesse und kann ebenfalls neue Brücken für den kulturellen und zivilgesellschaftlichen Austausch schaffen. Die deutsche Bau- und Wertstoffwirtschaft ist in hohem Maße von der Sicherung bestehender und der Erschließung neuer Partnerschaften abhängig. Spätestens beim Kauf oder Bau eines Eigenheims wird dies ganz praktisch an der Preisentwicklung spürbar. Auch in diesem Bereich gibt es beachtliche Innovationen, wie beispielsweise aus lebendigen Algen bestehende Häuserfassaden zur direkten Energiegewinnung.

Auch im Zuge der globalen Sandknappheit werden Maßnahmen zur Nutzbarmachung von fürs Bauen eigentlich nicht nutzbarem Sand immer wichtiger.

Die Corona-Krise hat gezeigt, in welch hohem Maße eine hochindustrialisierte Dienstleistungswirtschaft wie Deutschland von globalen Lieferketten und Rohstoffmärkten abhängig ist. Aufbauend auf dieser Erfahrung müssen wir in den kommenden Jahren dafür sorgen, die Krisenprävention im Rohstoffbereich umfassender zu denken und Kapazitäten für eine effiziente Widerstandsfähigkeit gegenüber zukünftigen Krisen zu schaffen.