Freiberuflich tätige Hebammen müssen von ihrem anspruchsvollen und wichtigen Beruf gut und angemessen leben können. Dies forderte SPD-Bundestagsabgeordneter Marcus Held bei einer Demonstration auf dem Wormser Obermarkt zur Sicherung der Versorgung junger Familien in der Region mit Leistungen der Hebammenhilfe. Im Beisein der betroffenen Hebammen sowie zahlreicher Familien und Interessenvereinigungen betonte der Abgeordnete, wie wichtig die flächendeckende Versorgung mit Geburtshilfe sei: „Freiberufliche Hebammen sind für alle werdenden Mütter ein unverzichtbarer Bestandteil der Versorgung. Eine mögliche Gefährdung dieses Berufstandes ist nicht im Interesse der Frauen und auch nicht im Interesse der SPD-Bundestagsfraktion.“

Anlass der Demonstration ist die bestehende Haftplichtproblematik der Hebammen, auf die die Betroffenen unisono mit großer Sorge verwiesen: Der Anstieg der Haftpflichtversicherungen sei eine Belastung, welche die Existenz zahlreicher freiberuflich tätigen Hebammen gefährde. Zudem wirke sich diese Problematik negativ auf die Zukunftsperspektive des Berufs Hebamme aus. Bis Mitte 2016 ist die Haftpflichtversicherung bei einem jährlichen Beitrag in Höhe von 5 000 Euro gewährleistet. Wie es danach weitergeht, das können die Geburtshelferinnen allerdings nicht sagen. „Schöpft eine Schwangere das Recht auf die freie Wahl des Geburtsortes und der Geburtsbegleitung aus und sucht eine Hebamme zur Hausgeburt, steht sie immer häufiger vor dem Problem, dass sie keine Hebamme in ihrer näheren Umgebung findet. Mehr und mehr Hebammen streichen aus finanziellen Gründen die Geburtshilfe aus ihrem freiberuflichen Tätigkeitskatalog“, so Hebamme und Demo-Initiatorin Inge Gerbig.

Marcus Held hat Verständnis für die Sorgen der Geburtshelferinnen und wird sich deshalb auch in Zukunft für die Interessen dieser Berufsgruppe einsetzen. Optimistisch macht ihn dabei eine Formulierung aus dem Koalitionsvertrag zwischen SPD und Union, in der es heißt:  „Die Sicherstellung einer flächendeckenden Versorgung mit Geburtshilfe ist uns wichtig. Wir werden daher die Situation der Geburtshilfe und der Hebammen im Speziellen beobachten und für eine angemessene Vergütung sorgen.“

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In seiner Rede betonte Marcus Held, dass ein ausbleibender Systemwechsel die Hebammenversorgung massiv gefährde. Deshalb machte der Parlamentarier deutlich:

„Die SPD-Bundestagsfraktion setzt sich dafür ein, dass Schwangere frei wählen können, wo und unter welchen Bedingungen ihr Kind zur Welt kommen soll. Dazu brauchen wir ein vielfältiges Angebot. Neben den Geburtshilfeabteilungen der Krankenhäuser sollen sich Schwangere auch dafür entscheiden können, ihr Kind zu Hause oder im Geburtshaus auf die Welt zu bringen. Das Rückgrat der Versorgung werden dabei auch in Zukunft die Krankenhäuser darstellen.

Das Risiko der steigenden Versicherungsprämien wurde von der letzten Bundesregierung auf die Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung übertragen. Die Krankenkassen müssen die steigenden Prämien der Hebammen seitdem bei den Honorarverhandlungen ausgleichen. Keine Lösung wurde damals gefunden für den Fall, dass sich immer mehr Versicherer aus dem Markt der Berufshaftpflichtversicherungen zurückziehen und es möglicherweise in Zukunft gar keinen Versicherungsschutz für Hebammen mehr geben könnte.

Darüber hinaus wurde die steigende Belastung der Hebammen in einer interministeriellen Arbeitsgruppe unter Beteiligung der Hebammenverbände beraten und die Probleme der geburtshilflichen Versorgung in Deutschland analysiert. Neben dem Thema der Haftpflichtversicherung wurden als weitere Arbeitsschwerpunkte die Fragen der Ausbildung, die Versorgung der Bevölkerung mit Hebammenhilfe sowie die Sicherung der Versorgungsqualität in der Geburtshilfe erörtert. „

Mittlerweile liegt der Abschlussbericht der Arbeitsgruppe, abgestimmt mit den Hebammenverbänden, vor.

„Die SPD-Bundestagsfraktion begrüßt die darin enthaltene kurzfristig geplante Anpassung der Vergütungszuschläge. Die Krankenkassen sollen daher als kurzfristig wirksame Maßnahme zusätzlich gesetzlich verpflichtet werden, für Geburtshilfeleistungen, bei denen typischerweise nur wenige Geburten betreut werden, über die bei Prämiensteigerungen übliche Anpassung hinaus Mittel bereit zu stellen, um die Vergütung angemessen zu erhöhen. Auch die langfristigen Vorschläge, insbesondere der Verzicht auf Regress zur Stabilisierung der Versicherungsprämien und die Sicherung der Versorgungsqualität in der Geburtshilfe, sind zu begrüßen. Angebot der Versicherungswirtschaft, mit dem sichergestellt ist, dass der Gruppenhaftpflichtvertrag des Deutschen Hebammenverbandes e. V. bis zum Sommer 2016 weiter angeboten werden kann.

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Ohne einen Systemwechsel ist die Hebammenversorgung massiv gefährdet. Daher ist die beste Lösung, dass Krankenkassen und Pflegeversicherung ihren Regress übernehmen. Dadurch werden die Haftpflichtprämien für die Hebammen deutlich sinken. Durch diese Maßnahmen, die jetzt auch zügig umgesetzt werden sollten, kann die für die Wahlfreiheit von werdenden Müttern so wichtige Hebammenversorgung langfristig gesichert werden.“